{"id":160,"date":"2012-11-27T21:52:31","date_gmt":"2012-11-27T19:52:31","guid":{"rendered":"http:\/\/alania.de\/?page_id=160"},"modified":"2013-06-06T08:11:14","modified_gmt":"2013-06-06T06:11:14","slug":"essays","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/twv.alania.de\/?page_id=160","title":{"rendered":"Essay &#8211; Verbindungskultur"},"content":{"rendered":"<p><strong>Betrachtungen zur &#8222;Verbindungskultur&#8220; von Altherren Pr\u00e4side Luigi Bellina, v\/o Rosso<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt selten eine vergleichbare Gruppierung, die \u00fcber den gesamten Sprachraum hinweg so viel kulturelle \u00dcbereinstimmung zeigt, wie die der Studentenverbindungen. Der im Zusammenhang mit Firmenkultur bekannte Begriff &#8222;Corporate Identity&#8220; wird hier, nicht erst in den letzten Jahrzehnten, als klassisches Beispiel gelebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das mag einerseits an der weit zur\u00fcck gehenden Tradition und Pflege der \u201eStudentischen Kultur\u201c liegen, andererseits aber auch am Bed\u00fcrfnis unter seinesgleichen sofort erkannt zu werden. \u00dcber die Farben, Zirkel und Wahlspruch im Speziellen, also der individuellen Verbindung &#8211; und im Allgemeinen- \u00fcber die Tatsache dass als Couleurstudent Farben getragen werden und die Person als Mitglied einer Corporation erkannt wird. Der rege Austausch, die Kommunikation, das Bed\u00fcrfnis nach einem Netzwerk von Akademikern hat vermutlich an der starken Verbreitung dieser weitgehend homogenen Strukturen beigetragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesen Zusammenhang mu\u00df man sich die ersten studentischen Vereinigungen an den fr\u00fchen Universit\u00e4ten, z.B. Bologna, Salerno, Prag, sp\u00e4ter Heidelberg, Freiburg, T\u00fcbingen sehen. Der Wunsch der \u201eLandsmannschaften\u201c Vertrautes und Freundschaften zu pflegen, sich in der fremden Stadt gegenseitig zu unterst\u00fctzen, war eine erste Motivation zu Zusammenschl\u00fcssen. Man hatte gemeinsame Freunde \u2013 aber auch Feinde, gegen die ein Einzelner nichts ausrichten konnte. So bot die Landsmannschaft auch Schutz. \u00dcber die Jahrhunderte haben Farbenstudenten eine eigene Kultur entwickelt, die gepr\u00e4gt ist von einer gro\u00dfen Gemeinsamkeit in Redewendungen und Ritualen, in der Art verwendeter Artefakte, in der Organisationsform und nicht zuletzt in den Leitbildern, in Zweck und Zielen der jeweiligen Verbindung, in der Daseinsbegr\u00fcndung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Innerhalb dieser \u201eMakrokultur\u201c subsummieren sich wiederum die Mikrokulturen jeder einzelnen Vereinigung in ihrer jeweils speziellen Auspr\u00e4gung, den Wahlspr\u00fcchen, dem eigenen Wappen, den eigenen Farben, Redewendungen, Ehrenkodex, Hausgesetzen etc.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst ein Exkurs zur Begriffsbestimmung f\u00fcr Kultur: er kommt aus dem Lateinischen, cultivare und ist eigentlich als \u00dcberbegriff zu sehen, unter dem sich vieles subsummieren l\u00e4sst. Die alten R\u00f6mer benutzten es f\u00fcr pflanzen, hegen und pflegen, aber auch domestizieren, das hei\u00dft einer Wildform durch menschliche Eingriffe gew\u00fcnschte Eigenschaften verleihen. Es steckt aber auch das Wort Cultus darin, also Gebr\u00e4uche und Rituale, Glauben und Religion, was auf die geistigen Komponenten Bezug nimmt. Cultus ist immer auch sichtbar, wahrnehmbar &#8211; im Gegensatz dazu ist das &#8222;Okkulte&#8220;, verborgen, geheimnisvoll und unbekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kultur ist ein sehr vielschichtiges Ph\u00e4nomen, die vielen Facetten lassen sich aber in der jeweiligen Art des Auftretens und \u00fcber die Gemeinsamkeiten auf h\u00f6herer Ebene als ganzheitliche Erscheinungsform sehen. Vor allem ist Kultur immer an eine Gruppe gebunden, sie ist Ausdruck von Gemeinsamkeiten. Sie kann sich auf wenige Individuen begrenzen (Mikrokultur) oder auch ein ganzes Volk mit seinen Subkulturen umfassen (Makrokultur). Die wesentlichen, erkennbaren Bestandteile sind immer das Verbindende, das immer wieder gleich Auftretende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als erstes und wohl wichtigstes Element ist die Sprache zu sehen, sie ist das prim\u00e4re Kommunikationsmedium und stellt die wichtigste kulturelle Verkn\u00fcpfung zwischen den Menschen dar. Zur Sprache als solches geh\u00f6rt auch die Art und Weise wie die Sprache genutzt wird, bestimmte Ausdr\u00fccke, bestimmte Floskeln und Phrasen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die weiteren Bestandteile sind in der Regel gestalterischer Natur, es sind die sogenannten Artefakte, Symbole, die eine unmittelbare Assoziation und damit Wiedererkennung hervorrufen. Das k\u00f6nnen bei V\u00f6lkern typische architektonische Leistungen sein, z. B. die Pyramiden f\u00fcr \u00c4gypten, die Akropolis f\u00fcr Griechenland, typische Fachwerkh\u00e4user f\u00fcr Deutschland, Iglus f\u00fcr Inuit, Tipis f\u00fcr nordamerikanische Indianer usw.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Art sich zu kleiden ist ein weiteres Merkmal, wobei sich das nat\u00fcrlich heutzutage immer mehr vermischt und verw\u00e4ssert. Blue Jeans sind zwar auch als kulturelle Leistung zu sehen, allerdings als global gleichmachend vereinheitlichende. Aber denken wir an all die Trachten in deutschen Regionen, an landestypische Kleidungsst\u00fccke, z.B. die diversen Tuniken in arabischen und nordafrikanischen Kulturen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Religionen mit ihren Riten und Gebr\u00e4uchen, mit ihren Glaubensgrunds\u00e4tzen, mit ethischen und moralischen Vorgaben, mit immer wiederkehrenden im Jahresablauf fest verankerten Festen verlieren zwar heutzutage immer mehr an Bedeutung, aber sie waren und sind zum Teil schon seit Jahrtausenden kulturpr\u00e4gendes Element.<br \/>\nDas macht auch Sinn, denn der Mensch braucht Rituale, bekannte Umgebungen, das vereinfacht die Orientierung. Die Wiedererkennung gibt dem Einzelnen Sicherheit innerhalb der Gruppe, im weitesten Sinne ein Schwarmverhalten. Als Team lassen sich Ideen, Ideale gemeinsame Werte besser vertreten als es Einzelpersonen verm\u00f6gen. Das menschliche Individuum braucht f\u00fcr eine stabile Entwicklung eine Gruppe, zun\u00e4chst wird er in die kleinste Gruppe hineingeboren, in der Regel die Familie. Nach und nach erweitert sich dann der Kreis an Bezugspersonen und Gruppierungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Tierwelt z. B. bei Ameisen, erfolgt die gemeinsame Ausrichtung, Wiedererkennung und Akzeptanz der einzelnen Individuen \u00fcber Duftmarken. Beim Menschen findet dies \u00fcber die weit komplexere Variante der Kultur statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das machen sich heutzutage auch Firmen zunutze, indem sie eine Firmenkultur gezielt aufbauen und pflegen. Es ist erwiesen, da\u00df Identifikation und Motivation der Mitarbeiter in Firmen mit deutlich ausgepr\u00e4gter Firmenkultur auffallend st\u00e4rker ist, sie sind eher bereit am gemeinsamen Erfolg beizutragen. Diese Firmen pflegen ihre Traditionen zu Recht, denn das \u00dcberleben ist nur durch den Erfolg gesichert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das trifft nat\u00fcrlich auch auf Volksgruppen und &#8211; nat\u00fcrlich auch auf die Studentenverbindungen zu. Das Erstaunliche ist, da\u00df im gesamten deutschen Sprachraum alle Studentenverbindungen gleiche kulturelle Elemente vorweisen. Die Sprache mit all ihren Elementen hat immer und \u00fcberall einen Wiedererkennungscharakter. Ob es das &#8222;Fiduzit&#8220; ist oder &#8222;dixit&#8220;, &#8222;gratias pro erhaltenes Verbum&#8220; oder &#8222;Silentium&#8220;. Dem Lateinischen entlehnt aber in einer ganz bestimmten Situation eingesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ist zun\u00e4chst das \u00e4ussere Erscheinungsbild in Form von M\u00fctze, T\u00f6nnchen, Band und Zipfel bis hin zum Chargenwichs, da sind auch Rituale und Gebr\u00e4uche, Feste und Traditionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und vor Allem bleibt festzuhalten, innerhalb dieser Kulturgruppe hat jede Verbindung nicht nur ihre eigenen Farben, nein auch ihre Eigenst\u00e4ndigkeit in Form von eigenen Riten und Varianten der Verbindungskultur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da ist das jeweils eigene Netzwerk, mit den vielen Facetten und auf den verschiedensten Ebenen. Mit den jeweils eigenen sozialen Beziehungen. Das st\u00e4rkt den Einzelnen und gibt ihm Sicherheit und Orientierung. Die Zugeh\u00f6rigkeit zu einem funktionierenden Netzwerk mindert den Druck durch gegenseitige Akzeptanz und Toleranz. Schwierigkeiten im Studium bekommen einen gemeinsamen Nenner und k\u00f6nnen leichter \u00fcberwunden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mitgliedschaft in einer Verbindung ist eine gute Vorbereitung auf den Beruf mit seinen Hierarchien und ungeschriebenen Gesetzen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle im Netzwerk \u201eAlania\u201c, teilweise auch spielerisch, bietet die Chance zu erh\u00f6htem Problembewusstsein und zu Motivation. Die \u00dcbernahme von F\u00fchrungsrollen in der Chargia gibt Gelegenheit, das eigene Verhalten und Entwicklungspotenziale zu reflektieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Spannungsraum m\u00f6chten wir aktive Studenten f\u00fcr unsere Verbindung gewinnen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Kultur und Tradition wird es immer geben, wir stellen ein Spielfeld zur Verf\u00fcgung, auf dem sich der Student auf die sp\u00e4teren Herausforderungen vorbereiten kann und in einer Firmenkultur zurechtfinden wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Situation wird er dann als bekannt empfinden und so schnell in das Berufsleben einsteigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright Luigi Bellina, Verwendung dieses Inhalts, -auch auszugsweise- nur mit Genehmigung des Verfassers.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/alania.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/zirkel2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15 aligncenter\" title=\"zirkel2\" alt=\"\" src=\"http:\/\/alania.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/zirkel2.png\" width=\"46\" height=\"56\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Betrachtungen zur &#8222;Verbindungskultur&#8220; von Altherren Pr\u00e4side Luigi Bellina, v\/o Rosso Es gibt selten eine vergleichbare Gruppierung, die \u00fcber den gesamten Sprachraum hinweg so viel kulturelle \u00dcbereinstimmung zeigt, wie die der Studentenverbindungen. 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