{"id":536,"date":"2013-06-03T21:44:36","date_gmt":"2013-06-03T19:44:36","guid":{"rendered":"http:\/\/twv.alania.de\/?page_id=536"},"modified":"2022-06-13T21:21:38","modified_gmt":"2022-06-13T19:21:38","slug":"von-wandel-jugend-und-alter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/twv.alania.de\/?page_id=536","title":{"rendered":"Von Wandel, Jugend und Alter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Betrachtungen zum Thema Jugend, Alter und Wandel und ihre Realit\u00e4t in der Verbindung<br \/>\n(aus der Rede von AHP Luigi Bellina v\/o Rosso zum 103. Stiftungsfest)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So paradox es klingt, die Auseinandersetzung zwischen Jugend und Alter ist eine statische Gr\u00f6\u00dfe in der bisher bekannten Menschheitsgeschichte, ich meine damit, alle Anstrengungen die gegens\u00e4tzlichen Positionen aufzul\u00f6sen waren bisher nicht oder nur scheinbar erfolgreich. Um das zu verdeutlichen, m\u00f6chte ich dazu einige Zitate heranziehen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute h\u00f6ren nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.&#8220; (Keilschrifttext aus Ur um 2000 v. Chr.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorit\u00e4t, hat keinen Respekt vor \u00e4lteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn \u00c4ltere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die S\u00fc\u00dfspeisen, legen die Beine \u00fcbereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.&#8220; Sokrates (470 &#8211; 399 v. Chr.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bb &#8230;die Sch\u00fcler achten Lehrer und Erzieher gering. \u00dcberhaupt, die J\u00fcngeren stellen sich den \u00c4lteren gleich und treten gegen sie auf, in Wort und Tat.\u00ab<br \/>\nPlaton (427 &#8211; 347v.Chr.) in \u00bbDer Staat\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ich habe \u00fcberhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die M\u00e4nner von morgen stellt. Unsere Jugend ist unertr\u00e4glich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.&#8220; (Aristoteles 384 \u2013 322 v. Chr.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Jugend ist Trunkenheit ohne Wein.&#8220; und &#8222;Der Jugend Kenntnis ist mit Lumpen gef\u00fcttert.&#8220;<br \/>\nJohann Wolfgang von Goethe, (1749 &#8211; 1832)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnliche oder fast gleichlautende Urteile h\u00f6ren oder lesen wir tagt\u00e4glich, und zugegeben, wir sind als \u00c4ltere schnell mal mit einem \u00e4hnlichen (Vor-) Urteil zur Hand, wenn wir genervt mit ansehen, wie die Jugend kostbare Zeit mit Facebook, Whatsapp, Internet, Videospielen und Fernsehen verbrennt. Offenbar ist es &#8211; global und oberfl\u00e4chlich betrachtet &#8211; der Menschheit bis heute nicht gelungen, den Konflikt zwischen Jung und Alt aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Darwin\u2019sche Evolutionstheorie hat zwar in der Biologie einiges erkl\u00e4rt, sie hat die bisher bekannten Entwicklungen in der Natur deutlich gemacht und ist heute wissenschaftlich unbestritten. \u00c4u\u00dferst fraglich ist, inwieweit es eine Parallele zur sozialen Evolution gibt. Tatsache ist jedenfalls, dass sich Geschichte oft wiederholt. Dass wir Menschen Fehler wiederholen, dass Verhalten sich zwar scheinbar ver\u00e4ndert, aber auf gewissen Abstraktionsebenen doch unver\u00e4ndert bleibt. Ich habe mir einige Gedanken gemacht, woran das liegen kann und einige Aspekte gegen\u00fcbergestellt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Jugend assoziieren wir oft Spannung, Neugier, Risikobereitschaft, Sprunghaftigkeit, von Gef\u00fchlen getriebene Aktionen, Ungeduld neue Ideen umzusetzen, Provokation und Opposition gegen Althergebrachtes. Dem Alter wird gemeinhin Weisheit, Erfahrung, Voraussicht, Ruhe, Gelassenheit zu gesprochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir alle, ob jung oder alt, sind Kinder unserer Zeit. Sowohl im Kurzzeitrahmen wie auch im Rahmen unseres bisherigen Lebens. Das was wir am besten erfassen und verstehen k\u00f6nnen, ist das was wir pers\u00f6nlich im Kontext dessen, was um uns herum geschieht, erleben oder erlebt haben. Vermutlich deshalb, weil wir selbst als Teil dieses Zusammenhangs befangen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles was aus zweiter oder dritter Hand an uns herangetragen wird, ist nur Erz\u00e4hlung. Wir interpretieren es, m\u00fcssen es uns vorstellen \u2013 was wiederum auf unter Einfluss der jeweils eigenen Sichtweise und Priorisierung geschieht. Vergangenes, aus einer Zeit die wir nicht pers\u00f6nlich gekannt haben, kann uns deshalb nie so nah ber\u00fchren wie selbst Erlebtes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf einem Zeitstrahl hat die Jugend das meiste vor sich, das Alter das meiste hinter sich. Jugend plant \u2013 Alter erz\u00e4hlt. \u00dcberlappung gibt es nur in einem winzigen Fenster, im Augenblick der Gegenwart. Das erkl\u00e4rt schon die geringe \u00dcbereinstimmung, warum es so ist wie es ist, warum so viele Positionen auseinanderklaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht waren bei der Gr\u00fcndung unserer Verbindung andere Gedanken ausschlag-gebend, vielleicht war es aber gerade Absicht etwas zu schaffen, das Alt und Jung verbindet; m\u00f6glicherweise die Erkenntnis, dass der Schl\u00fcssel in der Kombination liegt, nur die Erg\u00e4nzung Bestand haben kann und Potenziale f\u00fcr den gemeinsamen Erfolg freisetzt. H\u00e4ufiger Austausch \u00fcber die Altersschranken hinweg bietet M\u00f6glichkeiten und Chancen f\u00fcr gegenseitiges Verstehen, Traditionen weiterzugeben, Erinnerungen wach zu halten, Geschichte fortzu-schreiben, die Wurzeln nicht zu vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es beinhaltet aber auch, Neuerungen und andere Betrachtungsweisen zu akzeptieren und auch zu verstehen, einzusehen, dass manch Liebgewonnenes aus der Vergangenheit nicht l\u00e4nger die einstmalige Popularit\u00e4t genie\u00dft. Der Baum muss neue Triebe bilden, er mu\u00df leben und wachsen, sich erneuern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn ihre \u00c4ste verkahlt sind und keinen Ertrag mehr bringen, es nicht mehr aus eigener Kraft schaffen, werden B\u00e4ume manchmal radikal zur\u00fcckgeschnitten. Veredelt und mit Edelreisern gepfropft wird dem Zahn der Zeit noch einmal ein Schnippchen geschlagen. Auf einem gesunden Unterbau aus Wurzelwerk und Stamm l\u00e4sst sich in wenigen Jahren eine neue Krone aufbauen, mit sorgf\u00e4ltiger Pflege lassen sich hochwertige Ernten erzielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Verst\u00e4ndnis, dass Jugend so ist wie sie ist und auch sein muss, geh\u00f6rt ebenso zu unserer Gemeinschaft, auch wenn es uns Alten mit unserer abgekl\u00e4rten Lebenserfahrung schwer f\u00e4llt. <strong><em>Wir<\/em><\/strong> waren nat\u00fcrlich anders als die heutige Jugend \u2013 aber wenn wir ganz konsequent und ehrlich zu uns selbst sind \u2013 <em><strong>wir<\/strong><\/em> waren irgendwie der heutigen Jugend auch sehr \u00e4hnlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt Widerspr\u00fcche die sich nicht aufl\u00f6sen lassen, wobei keine der Positionen richtig oder falsch sein muss. Die einzige Chance ist, ihre Existenz zu akzeptieren, sie als untrennbare Teile des Gesamtzusammenhangs zu sehen. Das Zusammenspiel von Jung und Alt ist die eigentliche Qualit\u00e4t, das zeigt sich in vielen Bereichen der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft und Forschung. Neugier, Wissensdurst, Experimentierfreudigkeit und Risikobereitschaft erg\u00e4nzen sich mit Erfahrung, Wissen, weiser Abw\u00e4gung, logischer Betrachtung, Vorausschau, Ruhe und Geduld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele\u00a0 Firmen setzen heute zunehmend darauf, gemischte Projektteams einzusetzen, allerdings braucht es ein entsprechendes Coaching um die Umgangsregeln sicherzustellen. Ohne Kultur der Toleranz und gegenseitigen Wertsch\u00e4tzung ist die Zusammenarbeit \u00e4u\u00dferst schwierig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Voraussetzung, die Kombination von Alt und Jung zu erleben und zu trainieren sehe ich in unserer Verbindung in idealer Weise gegeben, hier treffen wir uns um in Freundschaft das was uns bewegt zu diskutieren und zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Auch hier ist die gegenseitige Wertsch\u00e4tzung das h\u00f6chste Gut, das wir bei jeder Auseinandersetzung nicht aus den Augen verlieren d\u00fcrfen. Mit Selbstbeherrschung zum Wohle der Freundschaft und Gemeinschaft diskutieren bedeutet nicht, kneifen und Themen vermeiden &#8211; sondern die offene und sachliche Betrachtung vorantreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hoffe, dass es uns weiterhin gelingt in diesem Sinne den Fortbestand unserer TWV Alania zu unterst\u00fctzen und zu sichern, denn es lohnt sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute ist vieles nicht mehr wie es gestern war und gestern war es auch schon nicht mehr wie vorgestern. Ver\u00e4nderung ist Realit\u00e4t, denn auch Wachstum und Bl\u00fchen ist Wandel. Diese Einsicht und Hoffnung steckt auch in unserem Wunsch: Vivat, crescat floreat TWV Alania ad Aeternum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Copyright Luigi Bellina, Verwendung dieses Inhalts, -auch auszugsweise- nur mit Genehmigung des Verfassers.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"zirkel2\" src=\"http:\/\/alania.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/zirkel2.png\" alt=\"\" width=\"46\" height=\"56\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Betrachtungen zum Thema Jugend, Alter und Wandel und ihre Realit\u00e4t in der Verbindung (aus der Rede von AHP Luigi Bellina v\/o Rosso zum 103. 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